G7 Ranking - Top oder Flop?
Vor kurzem hat die G7, eine Interessenvertretung verschiedener international bedeutender Clans, ihre eigene Weltrangliste für Teams aus dem Bereich Counter-Strike 1.6 vorgestellt. Nach dem bis vor kurzem Zonerank den Anspruch hatte, eine faire Weltrangliste zu stellen, dann aber durch Zahlungsschwierigkeiten bei den ausgelobten Preisgeldern in Bedrängnis kam, möchte nun die G7 diese Lücke füllen.
Das Ziel der G7 ist es, eine nachvollziehbare und transparente Rangliste abbilden zu können, um so die Vergleichbarkeit von Teams und Turnieren zu erhöhen. Wir haben uns G7-Rankingsystem einmal genauer angeschaut und sind auf einige Kritikpunkte gestoßen.
Wie funktioniert das Rankingsystem?
Zuerst einmal wollen wir die grundlegende Funktionsweise der Rangliste erläutern: alle Teams innerhalb der Rangliste haben zu einem bestimmten Zeitpunkt ein Punktestand, über den sich die Reihenfolge im G7-Ranking ergibt. Wird nun ein Turnier gespielt, an dem mindestens ein Team aus den Top10 der Rangliste antritt, so fließt dieses Turnier in die Wertung ein. Es wird ein Punktepool gebildet, aus dem sich später die zu verteilenden Punkte ergeben. Für jedes Team aus den Top10, der zu dem Zeitpunkt des Turniers aktuellen Rangliste, wandert nun eine genau festgelegte Anzahl an Punkten in den Pool. Tritt zum Beispiel der Führende der Rangliste an, so steigt der Punktepool um 100, für den Zweitplatzierten gibt es immerhin noch 80 Punkte, für den Dritten 60 und so weiter (siehe Abbildung 1: Spalte G7-Ranking). Sollten alle Teams der Top10 antreten, wandern so maximal 385 Punkte in den Pool.

So funktioniert das G7-Rankingsystem
Nach Abschluss des Turnieres wird dieser Punktepool unter den ersten vier Teams des Turniers aufgeteilt: der Erste erhält 45% der sich im Pool befindlichen Punkte, der Zweite 30%, der Dritte 15% und der Viertplatzierte immerhin noch 10%. Sollten sich insgesamt mindestens 200 Punkte im Pool befunden haben, erhalten auch Platz Fünf bis Acht jeweils fünf Punkte auf ihr Ranglistenkonto gutgeschrieben.
Faire Punktevergabe?
Hier zeigt sich aber schon ein erster Kritikpunkt des Systems: nur sehr wenige Teams erhalten überhaupt nennenswerte Punkte für ihre Platzierung. Der gesamte Pool wird komplett nur unter den ersten vier Teams aufgeteilt. Die Problematik lässt sich gut anhand eines Beispiels verdeutlichen:
Turnier 1: Es nimmt die komplette Top10 teil, es befinden sich somit 385 Punkte im Pool. Ein bisher unbekanntes Team lässt einen Großteil der internationalen Topteams hinter sich, und belegt einen sensationellen 5. Platz. Aufgrund der Verteilung würde dies aber nur mit 5 Punkten belohnt.
Turnier 2: An dem Turnier nimmt nur der Erste der Rangliste Teil, alle anderen Teams sind außerhalb der Top10 oder bisher gar nicht bewertet in der Rangliste. Unser bisher unbekanntes Team schlägt sich nun wieder gut, verliert aber gegen das einzige anwesende Topteam und belegt den zweiten Platz. Aus dem Punktepool von 100 erhält das Team somit 30 Punkte.
Bei welchem Turnier hat das Team also die bessere Leistung vollbracht? Nominell natürlich bei Turnier 2, da es hier immerhin sechsmal soviel Punkte einfahren konnte wie bei Turnier 1. Allerdings konnte es sich dort gegen wesentlich bessere Teams behaupten, hat sportlich die sicherlich bessere Leistung vollbracht.
Ist eine solche Punkteverteilung also fair? Ich bin der Meinung, hier sollte man sich über einen anderen Verteilerschlüssel Gedanken machen. Denkbar wäre auch, die Punkte aus dem Preispool nicht nur über die reine Platzierung zu verteilen sondern ebenfalls die bisherige Platzierung in der Rangliste einfließen zu lassen.
Währet den Anfängen

Das G7-Abschlussranking von 2003 (Quelle: g7teams.com)
Was einem, wenn man sich das aktuelle Ranking anschaut, vielleicht nicht direkt ins Auge fällt, ist die Frage nach dem ursprünglichen Fundament der Rangliste. Mit welchen Startwerten wurden die ersten Teams bewertet? Die G7 gibt an, die Teams und Turniere seit dem Jahr 2003 zu bewerten. Und so findet sich die CPL Cannes als erstes Turnier in der Rangliste wieder. Aber wie wurde bei diesem ersten Turnier der Punktepool gebildet, wenn es bis dahin gar keine Rangliste gab? Hier bedient sich die G7 eines kleinen Tricks, das Turnier wird einfach mit 35 Punkten bewertet, die in den Pool wandern. Warum genau diese Punktzahl? Diese Frage beantwortet die G7 leider nicht.
Diese Form der Turnierbewertung gilt aber nicht nur für diese eine CPL, sondern zieht sich komplett durch die Jahre 2003, 2004 und auch 2005. Alle dort gespielten Turniere erhalten pauschal entweder 35 oder 140 Punkte. Hier wird also das eigentliche System des G7 Rankings außen vor gelassen und ein nicht auf der Rangliste basierender Punktepool gebildet, der scheinbar durch eine subjektive Wertung des Turniers zustande kommt. Eine auch heute noch, rückblickend als stark besetzt geltende CPL Spain 2005 erhalt so nur 35 Punkte.
Was ebenfalls auffällt, dass bei den Turnieren der Jahre 2003 bis 2005 die Punkte immer nur an die Teams der Top3 verteilt werden. Dies geschieht zwar nach dem bekannten Schlüssel (Erster erhält 45%, etc. pp.), die zehn Prozent des Viertplatzierten verfallen allerdings immer, dieser wird nie gewertet. Warum dies so gemacht wurde ist mir bisher nicht bekannt. Fehlten hier etwas schlicht und ergreifend die Daten zu den benötigten Platzierungen?
Natürlich sind diese, aus der jetzigen Sicht, schon fast steinalten Turniere und Rankings heute nicht mehr so wichtig und werden die aktuelle Rangliste auch nur marginal beeinflussen, die Frage bleibt aber: warum wurde hier nicht komplett das beschriebene System angewandt, warum geschieht dies erst ab 2006 durchgehend?
Die Geschichte der Karteileichen
Ein weiteres Problem der Rangliste ist die Tatsache, dass auch noch uralte, oft nicht mal mehr bestehende Teams, weiterhin in der Rangliste existieren. Zwar gibt es einen Punkteverfall von 8% monatlich, der in das Ranking eingerechnet wird, aber auch so näheren sich die Punktestände inaktiver Teams nur deterministisch dem Nullpunkt an. So findet man in der aktuellen Rangliste so alte Schätzchen wie Spixel oder ESU, die seit Jahren nicht mehr aktiv an Turnieren teilgenommen haben.
Hier wäre es sicherlich eine gute Idee, nur Punkte zum Beispiel aus den vergangenen 12 Monaten in das Ranking einfließen zu lassen, um somit automatisch inaktive Teams verschwinden zu lassen.
Das diese weiterhin aufgeführt werden und auch nicht “per Hand” entfernt werden, wird um so unverständlicher wenn man bedenkt, dass Teams wie NoA, NiP und PGS sich eigentlich noch weit oben, teils deutlich in den Top10 der Rangliste befinden müssten - diese drei im Gegensatz zu andern Teams aber aus der Wertung genommen wurden. Anzumerken ist, dass die Spieler von NoA mittlerweile bei mTw und die von PGS nun bei MYM spielen, letztere sind aktives Mitglied der G7. Hier wird also scheinbar mit zweierlei Maß gemessen.
Ein weiteres “Spezial-Problem” wird sich, auch aus diesem Umstand resultierend, auf dem Ende des Monats stattfindenden ESWC Finals in San Jose ergeben. Die im vorherigen Jahr siegreichen Spieler wechselten Anfang des Jahres den Clan und spielen nun für MYM. Sie verpassten allerdings dieses Jahr die Qualifikation für die ESWC Finals, und könnten somit eigentlich nicht teilnehmen. Der Clan PGS, für den sie im vorherigen Jahr spielten, erhielt aber als Titelverteidiger einen Slot - wollte aber kein eigenes CS Team stellen. Um den Spielern doch noch die Teilnahme zu ermöglichen, werden sie nun als das Kunstprodukt “PGS.MYM” antreten.
Hier stellt sich dann natürlich die Frage, für welches Team die entsprechenden Punkte in den Pool wandern - und welcher Clan, sollten sich die Spieler entsprechend platzieren, die Punkte bekommt? Erster Hauptbestandteil des Namens ist PGS, der Clan wurde allerdings aus der Wertung genommen. Wird also einfach hier der Clan MYM als Maßstab genommen? Wir werden es sehen…
Das Ranking als Marketingvehikel
Was man nicht vergessen sollte, ist die Tatsache, dass die G7 zwar sicherlich einige häre Ziele mit dem Ranking verfolgt, es zu aller erst aber auch als Marketing-Instrument dienen soll und wird. Ein “Weltranglistenführender” ist prägnanter und einfacher auch Branchenfremden zu vermitteln. Ebenfalls erhält man damit eine neue Möglichkeit, auf Turnierveranstalter in gewisser Weise Druck ausüben zu können. Soll das Turnier aufgewertet werden? Die G7 könnte einige ihrer Top10-Platzierten Teams entsenden. Im umgekehrten Fall, kann es auch passieren, dass Turniere, die auf Grund der fehlender Teilnahme eines Top10-Teams an Ansehen verlieren. Sollte sich der Wunsch bei den Spielern und Clans festsetzen einen guten Platz in der Weltrangliste zu ergattern, warum sollte man dann an Events teilnehmen, die einem hier keine Punkte einbringen. Weiterhin ist ein “Boykott” denkbar: wenn man verhindern kann, dass eins der Top10-Teams antritt, besitzt das Turnier keinerlei Relevanz für das Ranking. Natürlich hängen alle diese Gedankenspiele sehr davon ab, wie erfolgreich, wichtig und damit im Endeffekt auch mächtig die Weltrangliste der G7 wird.
Fazit

Die G7: Interessenvertretung der großen Clans
Um die gewünschte Präsenz und Relevanz zu erreichen, sollte man aber die Zugänglichkeit enorm Steigern. Bisher sind die genaue Punktevergabe und die Entwicklung nur per Excelsheets einsehbar - eine einfachere und schnellere Nachvollziehbarkeit für den Fan, würde hier sicherlich eher nur eine entsprechende Webapplikation erreicht werden. Hier sollte in Zukunft nachgebessert werden.
Alles in allem, ist die neue Rangliste trotz der vielen Kritikpunkt ein guter und wichtiger Schritt in die richtige Richtung! Eine einfach zu verstehende, nachvollziehbare und so objektiv wie mögliche Rangliste ist für den eSport von großer Bedeutung. Und deshalb hoffe ich, dass sich die G7 in einigen Punkten Gedanken macht und die Rangliste verbessert - und damit nicht nur sich selber sondern dem ganzen eSport einen Gefallen zu tun.
Wie ist Eure Meinung zum G7-Ranking?
- Flop (59%, 136 Votes)
- Top (41%, 95 Votes)
Anzahl der Stimmen: 231


















Julian, 22. August 2008 um 7:17 Uhr
du sprichst einige wichtige punkte an die es zu korrigieren gilt, genau um dieses feedback hat die g7 ja auch gebeten. wenn die kinderkrankheiten des neuen rankings schnell ausgemerzt werden würde ich das ranking durchaus anerkennen, der ansatz bisher ist auf jeden fall der richtige.
Mailo, 22. August 2008 um 14:15 Uhr
Hm…viele wahre Sachen dabei. Wäre interessant zu sehen, ob die G7-Herren sich davon was zu Herzen nehmen und nachbessern!
Gautzschuk, 22. August 2008 um 14:17 Uhr
Da sollte wohl echt noch mal was geändert werden…
zYx, 22. August 2008 um 15:03 Uhr
Also ich finde das Alles total lächerlich.
Zum einen erscheint mir ein Zusammenschluss von ein paar popeligen Onlineclans, die sich wohl bewußt in Anlehnung an die größten Industrienationen der Welt als “G7″ bezeichen, als leicht größenwahnsinnig.
Zum anderen dient dieses “Ranking” wohl eher dem virtuellen Schwanzvergleich einer Clique die sich selbst zur Elite erklärt hat. Wie ich das verstanden habe bekommt ein Clan nur Punkte wenn er LANs spielt. Das würde ja bedeuten das ein Clan der alle Tuniere mitspielt aber immer nur sehr mäßig abschneidet trotzdem mehr Punkte sammeln kann als ein Clan der wenige LANs spielt dort aber sehr gut abschneidet, auch wenn er im direkten Vergleich haushoch unterlegen ist. Was ein Blödsinn!
Flow, 22. August 2008 um 16:17 Uhr
Wie sieht das denn aus wenn der Führende, in diesem Fall fnatic als einziger Vertreter der Top 10 an einem Turnier teilnimmt, in diesem Fall gäb es ja 100 Punkte zu vergeben. In diesem Turnier, aber nur vergleichsweise schwache Teams mitspielen. Da fnatic dieses Turnier ja ziemlich sicher haushoch gewinnen wird können sie doch ganz einfach ihren Punktevorsprung (45 Punkte pro gewonnenes Turnier) stark ausbauen. Da kommen die Teams auf den unteren Rängen der Top 10 ja überhaupt net mehr ran, selbst wenn sie das selbe spielchen auch betreiben würden. korrigiert mich wenn ich mich irre.
Zudem bekommen dann die schwächeren Teams vergleichsweise viele Punkte, wie schon erwähnt wurde.
Natürlich ist es sehr unwahrscheinlich das Topteams an Tunieren teilnehmen wo es kein oder kaum Preisgeld zu gewinnen gibt, aber möglich wäre es doch.
Olli, 23. August 2008 um 10:05 Uhr
Möglich ist das natürlich, auch wenn es eher eine sehr theoretische Überlegung ist