Internetsucht: Sind die Chinesen uns einen Schritt voraus?

Golem berichtete gestern davon, dass chinesische Psychologen, basierend auf einer Studie mit mehr als 1.300 Süchtigen, jetzt erstmals Kriterien für definiert haben. Damit wurde ein Grundstein dafür gelegt, dass diese “Internet Addiction Disorder” () genannte zukünftig gleichberechtigt mit Alkohol- und Spielsucht anerkannt wird.

Symptome für die sind:

  • mehr als sechs Stunden am Tag im Internet zu surfen und darüber alles andere zu vernachlässigen,
  • Reizzustände wenn der Nutzer nicht online gehen kann,
  • körperlicher und psychischer Stress,
  • Schlaf- oder Konzentrationsstörungen.

Besonder häufig sind die Süchtigen den Forschern zufolge in Onlinespielen, auf Pornoseiten, in sozialen Netzwerken oder Onlineshops unterwegs. Von den ca. 40 Millionen minderjährigen chinesischen Internetnutzern sollen bereits 10% süchtig sein.

Der Erste Schritt ein Problem zu lösen, liegt bekanntlich darin überhaupt zu erkennen, dass ein Problem vorliegt. Ich frage mich nun warum ausgerechnet diese zuerst anerkennt. Vieles spricht dafür, dass diese in wesentlich häufiger auftritt als in westlichen Ländern. In einem Land das trotz des rasanten Aufschwungs der letzten Jahre noch immer als arm bezeichnet werden kann und wo alternative Unterhaltungsmöglichkeiten (Kinos, Diskotheken usw.) in weiten Teilen noch nicht sehr verbreitet sind, bietet das Internet natürlich die besten Möglichkeiten sich zu vergnügen und dem vermutlich eher tristen Alltag zu entfliehen.  Zudem wachsen durch die Familienpolitik der chinesischen Regierung (nur ein Kind pro Familie) die meisten Chinesen als Einzelkinder auf, vermutlich ist daher das Gemeinschaftsgefühl, das gerade Onlinespiele und soziale Netzwerke vermitteln, für junge Chinese besonders reizvoll. Nicht zuletzt gibt schlicht und ergreifend in viel mehr junge Menschen als in anderen Ländern, so dass solche Phänomene absolut gesehen dort viel schneller und deutlicher zum Vorschein kommen.

Etwas kritischer betrachtet gibt es aber auch für ein totalitäres und kommunisitsches Regime wie in nichts gefährlicheres als das Internet, denn sowohl die dadurch mögliche freie Meinungsäußerung, als auch das mitverfolgen des von Überfluss und Verschwendung geprägten westlichen Lebensstils, wirken destabilisierend auf ein solches System. Die Möglichkeit Menschen die viel Zeit im Internet verbringen als “krank” zu bezeichnen und in ein Krankenhaus zu stecken um sie zu “heilen”, bietet der chinesischen Regierung einen Freifahrtschein die Internetnutzung ihres Volkes besser zu kontrollieren.

Die Fragen die sich stellen sind also: Sind uns die Chinesen wirklich einen Schritt voraus und haben ein Problem erkannt, über das bei uns noch geschwiegen wird? Ist diese aufgrund der anderen Lebensumstände nur in ein Problem und vielleicht in westlichen Ländern vernachlässigbar? Oder liegt gar bisher eigentlich gar kein Problem vor, sondern wurde nur erfunden um zur Machtsicherung der chinesischen Regierung beizutragen?


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    1

    Onlinespiele Fan, 20. November 2008 um 15:25 Uhr

    Nach den genannten Kriterien falle ich noch nicht in den Bereich der Internetsucht ;-)
    Die Quote von 10% Internetsüchtige ist sehr hoch! Damit könnte auch für deutsche Krankenkassen in Zukunft ein neues Problem entstehen.

    gruss

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