Open Source – eine Alternative?

Der Einsatz von () hat in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Insbesondere Projekte wie der Apache Webserver oder Linux erfahren größere Aufmerksamkeit und Akzeptanz. Viele der verfügbaren Lösungen sind mittlerweile ihren kommerziellen Pendants ebenbürtig. Vor allem kleinere und mittlere Unternehmen sind häufig nicht in der Lage die Anschaffungs- und Betriebskosten kommerzieller zu tragen. Aufgrund der Tatsache, dass sich gerade im Bereich der betrieblichen Anwendungen, kritisch auf den Unternehmenserfolg auswirkt, muss der eine große Bedeutung beigemessen werden. Im Rahmen dieser Auswahl spielen Lösungen zurecht eine immer größere Rolle.

Definition und relevante Eigenschaften

Eine Definition des Begriffs ist schwierig, da es in der Literatur mehrere konkurrierende Auffassungen gibt, die sich allerdings meist nur im Detail unterscheiden. Die Open Source Initiative definiert zehn Eigenschaften, die erfüllen muss, um als zu gelten. Die drei wichtigsten dieser Regeln sind:

  • dass die frei weiterverbreitet werden darf,
  • dass der Quelltext vorliegen muss und
  • dass es erlaubt sein muss diesen zu nutzen um Varianten zu erstellen.

Der wichtigste Unterschied zu sonstiger frei verfügbarer ist, dass der Quellcode offengelegt wird, so dass die Programme änderbar sind. Auf eine Darstellung der historischen Entwicklung und der verschiedenen Strömungen der Szene werde ich hier verzichten, wenn hierzu Details interessieren, der kann einmal einen Blick auf „The Cathedral and the Bazaar“ von Eric S. Rymonds werfen.

Mögliche Vor- und Nachteile von

Vorteile:

  • Freie Verfügbarkeit des Quellcodes
  • Beliebige Anpassbarkeit und Erweiterbarkeit
  • Wiederverwendbarkeit von Code in eigenen Projekten
  • Häufig großer Funktionsumfang
  • Anbieterunabhängigkeit
  • System- und Plattformneutralität
  • Häufig Verwendung offener Standards
  • Geringe Anschaffungskosten, z. B. keine Lizenzkosten

Nachteile

  • Keine Gewährleistungsrechte
  • Häufig höherer Schulungsaufwand
  • Weiterentwicklung ungewiss
  • Schwierig ausgereifte zu identifizieren
  • Professioneller Support nicht immer verfügbar
  • Mangelhafte Interoperabilität mit kommerzieller
  • Kein exklusives Nutzungsrecht (kann u. U. auch als Vorteil gesehen werden)

Einige Überlegungen, die bei der Auswahl beachtet werden sollten

  • Ist eine stabile Version verfügbar (z. B. Production/Stable bei SourceForge.net)?
  • Ist das System schon länger am Markt vertreten?
  • Welche Sprachversionen werden unterstützt (Deutsch, Englisch, weitere)?
  • Ist die mit anderen Anwendungen (Standardprodukten und Eigenentwicklungen) interoperabel?
  • Gibt es regelmäßige Releaszyklen?
  • Wie häufig wird aktualisiert?
  • Wie alt ist die aktuellste Version? Sollte nicht zu alt sein.
  • Gibt es eine Roadmap für die Entwicklung?
  • Wurden die Ziele in der Roadmap in der Vergangenheit funktional und zeitlich erfüllt?
  • Gibt es eine aktive Entwicklergemeinde?
  • Gibt es Supportforen, Wikis, Mailinglisten, o. ä.?
  • Ist professioneller Support (Einführung, Erweiterungen, Schulungen, 1st - 3rd Level-Support) verfügbar?
  • Ist Know-how in Bezug auf mögliche Weiterentwicklung im eigenen Unternehmen vorhanden?
  • Ist eine umfangreiche, gute Dokumentation, sowohl für die Anwendung als auch für die Entwicklung vorhanden?
  • Nach Möglichkeit und Know-how den Quellcode auf seine Qualität hin begutachten.
  • Basiert das System auf einer aktuellen, zukunftssicheren Architektur, einem fundierten Programmierparadigma, einer soliden Programmiersprache?
  • Welche Hardwarevoraussetzungen müssen für den Einsatz erfüllt sein?

Suchmöglichkeiten im Internet

  • www.sourceforge.net
  • www.berlios.de
  • www.ohloh.net
  • www.csharp-source.net
  • www.java-source.net
  • savannah.gnu.org
  • www.freshmeat.net
  • www.google.com ;)

Die Vertragssituation bei ist - genau wie bei proprietärer - von kommerziellen Anbietern vertraglich geregelt. Hierfür existiert eine Vielzahl an standardisierten Lizenzmodellen sowie - und anbieterspezifischen Variationen. Es werden insbesondere zwei Arten von Lizenzen für unterschieden: Copylefted und Non-Copylefted (vgl. Abbildung 1). Copylefted muss bei Weitergabe immer unter den gleichen Bedingungen lizenziert werden. Non-Copylefted hingegen ist nicht an eine derartige Bedingung gebunden. Im Gegensatz zu den Lizenzen proprietärer beziehen sich die von primär auf die Weiterentwicklungs- und Verbreitungsmöglichkeiten und nicht auf die Einschränkung des Benutzers. Im Folgenden werde ich einige kurz vorstellen.

Abbildung 1: Lizenzierungsformen. Quelle: Vgl. Schreber (2007), S. 10.

Abbildung 1: Lizenzierungsformen. Quelle: Vgl. Schreber (2007), S. 10.

GNU General Public License (GPL)

Die von Stallman entwickelte General Public License (GPL) bildet die Basis der Lizenzen und liegt derzeit in der Version 2.0 vor. Die Rechte zum Kopieren, Verteilen und Modifizieren des Quellcodes sowie der Zugang zu diesem wird in der GPL umfassend definiert. Zentraler und zugleich umstrittenster Ansatz dieser Lizenz ist, dass alle darauf aufbauenden Werke – sogenannte Derived Works – ebenfalls unter der GPL veröffentlicht werden müssen (Copyleft oder „virale Effekt“). Des Weiteren treten Probleme bezüglich der Gewährleistung und Haftung auf.

„Lesser“ General Public License (LGPL)

Die Kritik am viralen Effekt der GPL führte zur Entwicklung der LGPL durch die Free Foundation, die zunächst unter der Bezeichnung Library General Public License geführt wurde. Diese Lizenz erlaubt eine Lizensierung von einzelnen Programmteilen. Somit wird die Kombination mit proprietärer ermöglicht, ohne das Ergebnis unter der GPL lizensieren zu müssen. Dabei muss der Autor jedoch einige weitere Restriktionen beachten.

Honest Public License (HPL)

Die Honest Public License ist eine veränderte Form der GNU General Public License. Die HPL ergänzt die GPL um den Abschnitt 2 (d), der die Verwendung von in einem Computernetzwerk regelt.

Berkeley Distribution License (BSD)

Die Berkeley Distribution License ist liberaler als die GDL. Der größte Unterschied besteht darin, dass im Gegensatz zur GPL der Quellcode nicht verfügbar gemacht werden muss. Dadurch ist es möglich Weiterentwicklungen des Quelltextes nicht offenzulegen und kommerziell zu nutzen. Nur der Urheber muss angegeben werden, Haftung wird ausgeschlossen.

Apache Foundation License (ASF)

Eine Variante der BSD stellt die Apache Foundation License dar. Sie unterscheidet sich nur unwesentlich von dieser, vor allem dadurch, dass der Name Apache für eigene Weiterentwicklungen nur mit Erlaubnis verwendet werden darf.

Massachusetts Institute of Technology License (MIT)

Ähnlich der BSD Lizenz ist die MIT Lizenz äußerst liberal, sie gibt sie dem Nutzer die Freiheit die zu jedem Zweck zu nutzen, so lange die Autoren nicht für entstandene Schäden verantwortlich gemacht oder mit ihrem Namen in irgendeiner Form Werbung getrieben wird.

Mozilla Public License (MPL 1.0 und MPL 1.1)

Die Mozilla Public License erlaubt die Verbindung mit kommerzieller , die aktuelle Version 1.1 ist nur teilweise copylefted und erlaubt mehr Freiheiten als die GPL oder LGPL. Die MPL ist im Grunde eine sehr liberale und für die professionelle Weiterverwertung geeignete Lizenz, die vom Grad der Liberalität zwischen der BSD- und der GPL-Lizenz steht. Anders als bei der LGPL muss sich der Autor nicht mehr um den verwendeten OS-Quellcode kümmern. Er ist nicht zu mehr verpflichtet als die Copyright Notiz innerhalb des Quellcodes beizubehalten und etwaige Modifikation am Code wieder zu veröffentlichen, wobei entsprechende Veränderungen zu kennzeichnen sind.

Übersicht der wichtigsten Lizenzen. Quelle: Vgl. Schreber (2007), S. 16.
Recht GPL LGPL BSD License MPL
Quellcode verfügbar x x x x
Quellcode modifizierbar x x x x
Quellcode weiterverbreitbar x x x x
Verbindung mit proprietärer - x x x
Modifikationen dürfen privat bleiben - - x x
Nutzung eingeschränkt - - - x

Literatur

Lessig, L.: Baselines: Compared to What?. In: Government Policy towards . Hrsg.: Hahn, R. W., Washington, D. C. 2002, S. 50 68.
Raymond, E.: The Cathedral and the Bazaar. Musings on Linux and by an Accidental Revolutionary. Sebastopol 1999.
Saleck, T.: Chefsache . Kostenvorteile und Unabhängigkeit durch Open Sour-ce. Wiesbaden 2005.
Schiffner, T.: . Freie im deutschen Urheber- und Vertrags-recht. Dissertation, Universität München, München 2002.
Schreber, D.: im professionellen Einsatz. Trends, Vorgehen und Grenzen. Saarbrücken 2007.


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