Zeichnen mit den Zeichenstift-Werkzeugen in Photoshop
Da die Verwendung des Zeichenstift-Werkzeuges in Photoshop wohl doch nicht so intuitiv war, wie ich angenommen habe, möchte ich hier die Verwendung kurz näher erläutern. Insgesamt gibt es in Photoshop mehrere Zeichenstift-Werkzeuge: der Standard-Zeichenstift, das Freiform-Zeichenstift-Werkzeug und der magnetische Zeichenstift. Da ich zu 99 Prozent den Standard-Zeichenstift verwende, werde ich mich auf dessen Funktionsweise beschränken.

Abbildung 1: Optionen für das Standard-Zeichenstift-Werkzeug
Bei ausgewählten Zeichenstift-Werkzeug
(P) solltet Ihr in der Optionsleiste die Option „Autom. hinzuf./löschen“, aktivieren. So könnt Ihr beim Klicken auf ein Liniensegment einen Ankerpunkt hinzufügen oder durch Klicken auf einen Ankerpunkt diesen löschen. Das beschleunigt das Arbeiten. Des Weiteren sollte in der Optionsleiste „Formebenen“ (beachtet Abbildung 2) sowie „Neue Formebene erstellen“ ausgewählt sein, sowie „Gummiband“, damit die Pfadsegmente beim Zeichnen angezeigt werden (vgl. Abbildung 1).

Abbildung 2: Links: Option "Pfade" gewählt, rechts: Option "Formebenen" gewählt
Zeichnen eines geraden Segments
Um ein gerades Segment zu erstellt Ihr Euch ein neues Zeichenblatt und wählt zunächst das Standard-Zeichenstift-Werkzeug aus (P). Setzt den Zeichenstift an die Position des ersten Ankerpunktes setzen und klickt, um den Ankerpunkt zu erstellen. Zeichenstift an die Position eines weiteren Ankerpunktes setzen und erneut klicken. Habt Ihr die Option „Gummiband” gewählt seht Ihr beim Bewegen des Cursors direkt das Pfadsegment, was Ihr erstellen würdet. Tipp: bei gedrückter Umschalttaste werden die Punkte immer genau in einem 45° Winkel zum vorangegangenen Punkt gesetzt. Auf diese Weise einfach weitere Ankerpunkte setzen. Es gibt zwei Möglichkeiten den Pfad zu beenden:
- geschlossener Pfad: erneutes Anklicken des zu erst gesetzten Ankerpunktes. Ist der Zeichenstift richtig positioniert, seht Ihr neben dem Zeiger
einen kleinen Kreis. - offener Pfad: Esc-Taste drücken.
Hinweis: der aktive Ankerpunkt wird immer als ausgefülltes Quadrat dargestellt, ein inaktives als unausgefülltes.
Zeichnen von Kurven
So, bis hier hin war es war es ja nicht besonders schwer und das Ergebnis ist auch nicht wirklich der Hit. Viel interessanter wird es, wenn wir jetzt auch Kurven zeichnen wollen. Prinzipiell müsst Ihr bei jeder Richtungsänderung einer Kurve einen Ankerpunkt setzen. Aber geht damit sparsam um, gerade im Druck gilt: je weniger Ankerpunkte, desto besser. Die Kurve wird durch die sogenannte Grifflinie eines Ankerpunktes, bzw. deren Länge und Neigung, festgelegt. Was das heißt werdet Ihr gleich sehen.
Man kann die Grifflinien direkt während des Erstellens der Ankerpunkte erstellen, aber ich finde es wesentlich besser dies im Nachhinein zu erledigen. Aus diesem Grund sieht der erste Schritt ganz genau so aus, wie bei der Erstellung von geraden Segmenten. Hier legt Ihr Eure Grundform fest.
Ich veranschauliche die Schritte an dem Wappen aus “Tutorial: Wappen als Clanlogo“. In Abbildung 4 seht Ihr, was aus den geraden Segmenten des Grundrisses wird, wenn wir entsprechend unseren Wünschen Kurven definiert haben.

Abbildung 4: Von geraden Segmenten zu Kurven
Als erstes wählt Ihr das Punkt-umwandeln-Werkzeug
, dieses ermöglicht es Euch einen Ankerpunkt auszuwählen und bei gedrückter linker Maustaste die Grifflinien aufzuziehen. Ihr erhaltet pro Ankerpunkt immer zwei Grifflinien, die zunächst immer in einer Geraden zueinander verlaufen (Abbildung 5 A). Die Endpunkte einer Grifflinie nennt man Griffpunkte. Ihr könnt auf diese Weise an jedem Ankerpunkt Grifflinien erzeugen und erstellt damit Kurven. Wichtig: habt Ihr einmal Grifflinien erzeugt, könnt Ihr die Länge der beiden Grifflinien an einem Ankerpunkt individuell festlegen. Dazu wählt Ihr das Direktauswahl-Werkzeug (A), klickt auf einen Griffpunkt und zieht diesen auf die gewünschte Länge. So könnt Ihr auch die Neigung der Grifflinien jederzeit verändern. Noch sind dabei aber immer die beiden Grifflinien an einem Ankerpunkt in einer Geraden. Um von Abbildung 5 B zu Abbildung 5 C zu kommen, bedarf es wieder des Einsatzes des Punkt-umwandeln-Werkzeugs
. Mit diesem könnt Ihr genauso vorgehen, wie mit dem Direktauswahl-Werkzeug, nur könnt Ihr jetzt auch die Neigung der Griffpunkte punktindividuell festlegen.
Probiert das Ganze einfach mal ein bisschen an beliebigen Formen aus, nach etwas Eingewöhnung, wird Euch das sehr leicht von der Hand gehen.

Abbildung 5: Grifflinien
Schauen wir uns doch einmal die Grifflinien des Wappens an. Abbildung 6 zeigt alle Grifflinien, die ich benötigt habe, um den Grundress so zu verändern, dass das Ganze aussieht wie ein Wappen. Nicht wirklich viele.
Arbeiten mit Hilfslinien
Eine Schwierigkeit bei der Erstellung, von insbesondere geometrischen Formen, ist es, die Ankerpunkte und Griffpunkte exakt zu setzen. Augenmaß hilft hier nicht wirklich weiter. Aus diesem Grund solltet Ihr Euch die Hilfslinien von Photoshop nutzen, um Euch ein Hilfsraster zu erstellen. (Strg+R) zeigt Euch die Lineale an; mit der Maus könnt Ihr das horizontale oder vertikale Lineal anklicken und eine Hilfslinie auf die Arbeitsfläche ziehen. Haltet Ihr dabei (Shift) gedrückt, wird die Linie pixelgenau gesetzt (ggf. ranzoomen). Unter Ansicht > Ausrichten an solltet Ihr Hilfslinien gewählt haben. Anzeigen und verstecken könnt Ihr die Hilfslinien über (Strg+H). In Abbildung 7 seht Ihr, wie das für das Wappen aussieht.
Ich hoffe diese Ausführungen helfen Euch, entsprechende Formen in Photoshop zu erstellen. Wem das immer noch zu abstrakt ist, dem empfehle ich wirklich einen Blick in das Handbuch. In Abschnitt “Zeichnen > Zeichnen mit den Zeichenstift-Werkzeugen” ist alles ausführlich erklärt. Des Weiteren findet Ihr bei Adobe ein Video-Tutorial zur Verwendung des Zeichenstifts, zwar in Illustrator, aber die Verwendung ist fast gleich: www.adobe.com/go/vid0037_de.
Wenn Ihr wissen wollt, was man mit dieser Form jetzt so anfangen kann, dann schaut Euch doch mal das Tutorial zur Gestaltung eines eigenen Clanlogos in Wappenform an. Viel Spaß beim Lesen und selber ausprobieren!




















daswebdesignblog, 16. August 2008 um 21:15 Uhr
Die Option “Pfade” ist sehr nützlich! Man sollte das nicht unterschätzen und vielleicht solltest du noch eine genauere Beschreibung zu dieser Funktion hier hinzufügen. Man kann beispielsweise damit freistellen. Außerdem ist die wirklich gute Option Kontur füllen dann verfügbar. Sonst ist alles gut erklärt.
Olli, 18. August 2008 um 8:38 Uhr
Danke für Deinen Kommentar! Der Hinweis ist absolut richtig. Ich habe mich vorerst auf die Formebenen Option beschränkt, da diese im Rahmen des Wappen-Logo-Tutorials am zielführensten ist. Man erhält ja auf diese Weise direkt gefüllte Flächen, kann diese aber auf Grund der Vektoren jederzeit beliebig skalieren.
Ich arbeite gerade noch an zwei anderen Artikeln, wenn die fertig sind, kann ich dieses Tutorial gerne noch ergänzen.
Gruß Olli